Ich kenne diesen Moment, wenn die Euphorie langsam bröckelt.
Mit 23 stand ich da – stolz, ehrgeizig, überzeugt, dass ich weiß, wie Führung funktioniert. Ich wollte gestalten, modernisieren, Spuren hinterlassen. Ich war leistungsstark, diszipliniert, bestens ausgebildet – und innerlich getrieben von dem Anspruch, es nicht nur gut, sondern außergewöhnlich gut zu machen.
Und dann begann der Strudel.
Ab Tag 1 habe ich mir den Arsch aufgerissen. Ich war zerrissen zwischen operativem Dauerfeuer, menschlichen Erwartungen und wirtschaftlichem Druck. Ich wollte strategisch denken – stattdessen löschte ich pausenlos Brände. Kaum hatte ich ein Thema sortiert, klopfte der Nächste an die Tür. Kaum war ein Problem gelöst, landete das nächste Projekt auf meinem Tisch – „Das kannst Du doch so gut.“
Ich wollte respektiert werden und gleichzeitig nahbar sein. Kollegin bleiben oder oder doch klare Chefin sein? Verständnis zeigen oder harte Kante? Jede Entscheidung fühlte sich schwerer an, als sie eigentlich war.
Und irgendwann saß ich da – mit pochendem Nacken, flauem Magen und einem Kopf, der sich anfühlte wie ein überhitzter Motor kurz vor dem Kollaps. Nachts kreisten die Gedanken unerbittlich, tagsüber setzte ich ein souveränes Gesicht auf. Außen stark. Innen erschöpft, angespannt, zweifelnd.
Ich habe funktioniert.
Aber ich habe mich selbst dabei fast selbst verloren.
Verantwortung auf Deinen Schultern. Druck im Nacken. Zweifel im Kopf. Du bist nicht allein – und Du musst da nicht allein durch.